Der Sternenhimmel Buch Sternenhimmel
DAS JAHRBUCH FÜR HOBBY-ASTRONOMEN

Regeln für die Schaltjahre

1. Ist die Jahreszahl durch 4 teilbar, so ist es ein Schaltjahr.

2. Ausnahmen sind die Jahre, deren Nummer durch 100 teilbar ist, diese sind
    keine Schaltjahre.

3. Ausnahmen der Ausnahmen sind die Jahre, deren Nummer auch durch 400
    teilbar ist. Diese sind doch Schaltjahre.

 

Also war 1900 kein Schaltjahr, und 2100 wird auch keines sein. Wohl aber war 2000 eines.

 

Der Schalttag

2016 hat also nach der ersten Regel einen 29. Februar. Dieser ist aber nicht der Schalttag, denn eingeschoben wird der zusätzliche Tag nach dem 23. Februar. Wie man in traditionellen Kalendern nachsehen kann, werden die Heiligen des 24. bis 28. Februar in einem Schaltjahr zu den Kalenderheiligen des 25. bis 29. Februars, der 24. hat gar keinen Heiligen und wird einfach als Schalttag bezeichnet.

((Schalttag.jpg))

Abb.1:  Kalenderblatt aus der Hinkende Bot auf das Schaltjahr 1996

 

Eine Erfindung Caesars

Der Schalttag geht zurück auf die Kalenderreform von Caesar. Vorher wurde alle zwei Jahre, abwechslungsweise nach dem 23. und dem 24. Februar, ein Schaltmonat mit immer 27 Tagen eingeschoben, die restlichen Februartage fielen weg. Bis 58 v. Chr. war der römische Kalender so einigermassen in Übereinstimmung mit den Jahreszeiten. Dann aber wurden die Regeln nicht mehr korrekt angewandt, der Kalender kam in Unordnung. So begann das Jahr 46 v.Chr. bereits am 14. Oktober 47 v.Chr.  Es war also dringend notwendig, den Kalender neu zu gestalten. Julius  Caesar hatte die Macht (und als Pontifex Maximus[1]eigentlich auch die Pflicht) eine Kalenderreform zu verfügen, die im Jahr 46 v.Chr. durchgeführt wurde. Zwischen November und Dezember wurden zwei zusätzliche Monate mit 33 und 34 Tagen eingeschoben. Diese Anzahl Tage ist vermutlich so gewählt worden, damit der erste Neumond nach der Wintersonnenwende auf den Jahresbeginn fiel. Zugleich war das Jahr aber schon um einen „normalen“ Schaltmonat länger, so dass es insgesamt 445 Tage (!) zählte. 46 v. Chr. dürfte also das längste Jahr der Geschichte sein. Caesar nannte es "ultimus annus confusionis" [das letzte Jahr der Verwirrung].

 

L' année Bissextile

Der Monatsbeginn hiess "Kalenden" [das Wort kommt aus dem Griechischen: kalein = rufen, nennen: der Monatsbeginn wurde jeweils öffentlich ausgerufen]. Die Tage wurden im römischen Kalender auf den nächsten Fixpunkt hin angegeben, also etwa "der sechste Tag vor den Kalenden des März", was im Original hiess: "ante diem sextum Kalendas Martias". In Caesars Kalenderreform war eben dies der Tag, der in einem Schaltjahr verdoppelt wurde. Der Schalttag hatte so das Datum "ante diem bis sextum Kalendas Martias"  [lateinisch: bis = nochmals, zum zweiten Mal]. In einigen Sprachen hat sich noch etwas davon erhalten, so die Bezeichnung für ein Schaltjahr: im Französischen "année bissextile", italienisch "anno bisestile" und auch im Russischen "високосный год".

 

Anderthalb Jahrtausende gültig

Nun wurde Caesars Schaltanweisung, dass alle 4 Jahre ein zusätzlicher Tag einzuschalten sei, nicht korrekt durchgeführt, sondern nach 42 v.Chr. jedes dritte Jahr zum Schltjahr erklärt. Erst Caesars Nachfolger Augustus bemerkte das (Caesar war 44 v. Chr. ermordet worden) und korrigierte durch Weglassen von kommenden Schalttagen. Vom 1. März des Jahres 4 n.Chr. bis zum 4. Oktober 1582 galt dann der Julianische Kalender ungestört. Man braucht ihn auch rückwärts beliebig extrapolierend für die Datierung in der Vergangenheit. Man spricht also etwa von der Sonnenfinsternis am 28. August 1204 v.Chr., auch wenn es damals noch gar keinen Monat August gab.

 

1582: Reform duch Papst Gregor XIII

Im Mittel zählte ein Julianisches Jahr  365.25 Tage und war damit etwas zu lang (ein tropisches Jahr dauert  365.24219 Tage). So verschoben sich die Jahreszeiten alle 128 Jahre um einen Tag, und die Verknüpfung des Osterdatums mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche führte zu Glaubwürdigkeitsproblemen der Kirche. Verschiedene Päpste wollten eine Korrektur angehen, aber die Kirche hatte immer wieder andere, noch dringendere Probleme. So konnte erst Papst Gregor XIII. am 24. Februar (sic!) 1582 "seine" Kalenderreform dekretieren. Nebst der neuen Schaltjahrregelung, die wir eingangs festgehalten haben, verfügte er den Ausfall von 10 Tagen. Auf Donnerstag, 4. Oktober 1582 folgte Freitag,  15. Oktober. Da nun jeweils  400 Jahre nur noch 97 Schalttage enthalten, ist die mittlere Jahreslänge im Gregorianischen Kalender nur noch 365.2425 Tage. Der verbleibende Fehler ergäbe in etwa 3000 Jahren einen zusätzlichen Tag. Allerdings ändert sich die Länge des tropischen Jahres ja auch, und zwar nicht exakt vorausberechenbar. Deshalb ist die Kalenderreform, die der jugoslawischen Astronomen Milutin Milanković (1879 - 1956) vorschlug, eher als Ausweg aus einer verfahrenen Situation zu werten. Die Ostkirchen besprachen nämlich den Gregorianischen Kalender 1923 am Kongress von Konstantinopel. Die Vertreter der verschiedenen Teilkirchen konnten sich aber nicht zur Übernahme dieses «römischen» Kalenders durchringen. Die meisten akzeptierten zwar das neue Sonnenjahr (d.h. die zehntägige Verschiebung), wechselten aber nicht auf den Gregorianischen Kalender, sondern auf den «Neujulianischen» Kalender von Milanković.  Dieser ist noch etwas genauer als der Gregorianische, stimmt aber bis zum 28. Februar 2800 mit ihm überein. Die Berechnung des Osterfestes nehmen die Kirchen aber weiterhin nach dem Julianischen Kalender vor. Das hat zur Folge, dass die Ostkirchen Ostern später feiern, manchmal denn auch erst im Mai (z.B. 2016 am 1. Mai, 2021 am 2. Mai, 2024 am 5. Mai). In unregelmässiger Folge fällt Ostern in Ost und West auf den gleichen Sonntag, so im Jahr 2017 (16. April) – dann aber erst wieder 2025 (20. April), 2028 (16. April) und 2031 (13. April).

 



[1] Titel des obersten Vorgesetzten der Priester (der aber selbst nicht Priester sein musste).